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Erfahrungsbericht: Tabuthemen
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16.01.2015
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Vorneweg: schön, dass das Forum nun wieder funktioniert :)

Diesen Text habe ich nach meiner Teilnahme am Auswahlseminar im Februar 2014 verfasst. Folgender Thread wird dabei nochmal aufgegriffen:

http://stusti.patrick-bernau.de/modul ... pe=&topic_id=2604&forum=3
Wie konservativ sind die Beobachter?

>>
Grundsätzlich bin ich (als Kommissionsmitglied) der Meinung, dass wir professionell genug sind, vom Thema zu abstrahieren und uns vor allem auf die Art und Weise zu konzentrieren, wie Referat und Diskussion läuft.

Aber - natürlich sind wir auch Menschen, die Vorlieben, Abneigungen und Vorleben mitbringen - und der eine oder andere kann oder will vielleicht nicht jedes Thema neutral sehen ... und gerade Sexualität und sexuelle Minderheiten sind da vielleicht ein Problem.
Beispiel: Wenn Du über Zoophilie sprichst und Position Pro Zoophilie einnimmst, und du bekommst einen überzeugten Tierschützer als Kommissionsmitglied, dann mag das problematisch sein.
Beispiel: Wen du über Pädophilie sprichst und Position Pro Pädophilie einnimmst, und du kommst an ein Kommissionsmitglied, dessen Kind missbraucht wurde, dann weiß ich nicht, ob da die Abstraktion wirklich gelingt.
<<

Ich habe in meinem Referat zum Thema Zoophilie und Recht gesprochen. Ja, ich finde, da gehört etwas Mut dazu, und wenn es meine erste Teilnahme an einem Auswahlseminar gewesen wäre, hätte ich es mich auch nicht getraut. Aber es gibt durchaus schlechtere Diskussionsthemen. Wenn ich die Wahl habe zwischen zwei interessanten Themen, von denen eines mit meinem Tätigkeitsfeld zu tun hat und das andere sehr kontrovers ist, würde ich immer das zweite nehmen

Die Zoophilie ist Thema, bei dem (fast) jeder direkt eine ablehnende Stellung bezieht. Darauf kann man sich als Diskussionsleiter verlassen, und wenn man gut informiert und etwas redegewandt ist, kann man auch viele Gegenarbumente bringen (http://zeta-verein.de/wissenswertes/w ... ng-von-zoosexualitat.html). Allerdings muss man aufpassen, dass die Diskussion nicht zu sehr in die falsche Richtung abgleitet – d.h. ins nicht-jugendfreie. Das wird dann unangenehm für alle Beteiligten.

In meinem Referat habe ich zuerst über gesellschaftliche Vorurteile gesprochen, und dann als Gegenpol über die wissenschaftliche Arbeit von Hani Miletski (sie hat eine Umfrage unter Zoophilen durchgeführt mit der Fragestellung, ob es eine sexuelle Orientierung zu Tieren gibt, die mit Hetero- und Homosexualität vergleichbar ist). Dann bin ich zur rechtlichen Situation in Deutschland übergegangen (seit 2013 sind zoophile Handlungen wieder verboten) und wollte als Diskussionseinstieg den Kommentar eines ehemaligen Verfassungsrichters nutzen (http://www.sueddeutsche.de/politik/eh ... aatliche-strafe-1.1548925)

Dann zur Diskussion... das positive vorweg: es wurde lebhaft diskutiert. Ursprünglich wollte ich den Aspekt beleuchten, ob es verhältnismäßig sei, so ein moralisch begründetes, spezifisches Verbot zu erlassen, während sonst im TierschG immer konkret die Aspekte „Schmerzen, Leiden oder Schäden“ betrachtet werden. Leider ging es sofort in eine Richtung, auf die ich nicht so gut vorbereitet war: die Frage nach dem Einverständnis des Tieres. An dieser Stelle ist es IMHO sehr schwierig, zu argumentieren. Ob Tiere zum Einverständnis in diesem Maße fähig sind, ist am Ende doch eine Frage der Moral. Und innerhalb von 20min die Moralität der Zoophilie zu klären, ist einerseits unmöglich; andererseits würde ich das nie von jemandem verlangen, der sich mit dem Thema „unfreiwillig“ beschäftigt.

Also, als Hinweis für alle, die sich an solch einem Thema versuchen wollen: Überlegt euch vorher gut, wohin und wie ihr die Diskussion steuern wollt. Im Normalfall wäre es dazu ja hilfreich, mal mit Freunden über das Thema zu reden... die Variante entfällt bei solch einem Thema aber wahrscheinlich...


Bleibt noch die Frage: Wie haben meine Diskussionsgruppe und das Kommissionsmitglied auf das Thema reagiert?
Also, innerhalb der Gruppe hatten wir uns am Anfang schon verständigt, was unsere Themen sind, d.h. sie konnten sich darauf vorbereiten. Es haben auch alle mitdiskutiert, und ich hatte nicht das Gefühl, das sich jemand dabei _zu_ unwohl fühlt. Es ist halt kein leichtes Thema.
Das Kommissionsmitglied – junger, netter Universitätsprofessor – wusste im Voraus nicht, worum es gehen wird, wurde also entsprechend ins kalte Wasser geworfen. Ich hatte auch das Gefühl, dass er während des Vortrags teilweise etwas entsetzt geschaut hat (kann ich aber auch gut verstehen). Hab ihn nach der Diskussion auch noch darauf angesprochen; er meinte, dass es halt ein anstrengender Tag war (ich hatte den Samstag-20-Uhr-Slot) und es dann schwierig ist, sich noch auf so ein Thema einzulassen (oder so in der Art).
Ich hatte auf jeden Fall nicht den Eindruck, dass er mir die Themenwahl negativ angelastet hat. Wie das Ganze insgesamt angekommen ist, kann ich aber auch überhaupt nicht sagen.

Achja, bei meinem ersten Einzelgespräch hatte ich auch kurz mein Referatsthema angesprochen (als es um die Frage ging, warum ich beim ersten Mal nicht genommen wurde und wie es diesmal besser laufen soll). Sie meinte aber auch nur wertungsfrei, dass man darüber sicher gut diskutieren kann.


Ich hoffe, jemandem mit meinem Bericht weitergeholfen zu haben.


Und falls jemand Interesse bekommen hat, über ein ähnliches Thema zu sprechen: Das Prostiutionsverbot in Frankreich oder die Entscheidung des BVerfG zum Inzestverbot wären sicher auch diskussionswürdig

16.01.2015
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